Selma Lagerlöf - Biographie

Ihr Leben

Selma Ottilia Lovisa Lagerlöf wurde am 20. November in Värmland auf dem elterlichen Gutshof Marbåcka geboren. Sie hatte vier Geschwister. Selma Lagerlöf berichtet in ihren Kindheitserinnerungen von dem von Liedern und Erzählungen geprägten Leben auf dem Gutshof. Sie hatte schon sehr früh den Wunsch, Schriftstellerin zu werden. Selma Lagerlöf war, seit sie im Alter von drei Jahren an Kinderlähmung erkrankt war, gehbehindert und empfand sich selbst als unansehnlich und ungelenk. Im Alter von vierzehn Jahren war Selma einige Zeit in Stockholm bei Verwandten zur Krankengymnastik in dieser Zeit schrieb sie in ihr Tagebuch:

"Wenn ich eine Schriftstellerin werden will, muss ich für alles, was ich erlebe, froh und dankbar sein. Ich muss sogar zufrieden sein, wenn mir etwas Schweres und Widerwärtiges zustößt, sonst kann ich später gar nicht beschreiben, was man fühlt, wenn man unglücklich ist."

Mit fünfzehn Jahren begann Selma Lagerlöf ihre Gedanken regelmäßig in Gedichten auszudrücken, gelegentlich trug sie ihre Gedichte auf Familienfeiern vor. Von der Schriftstellerin Eva Fryxell, die Selma auf einem solchen Fest hörte, wurde sie ermutigt und unterstützt.

Schließlich meldete sich Selma Lagerlöf mit 24 Jahren zur Aufnahmeprüfung am Königlichen Höheren Lehrerinnenseminar an. Sie bestand die Aufnahmeprüfung und absolvierte die Ausbildung, für sie ein großer Schritt in die Unabhängigkeit. 1885 trat Selma eine Stelle als Lehrerin an der Höheren Töchterschule in Landskrona in Schonen an. Mit ihrer geringen Einkünfte finanzierte sie nach dem Tod des Vaters 1987 den Lebensunterhalt ihrer Mutter und einer Tante. Trotzdem musste ihr geliebter Gutshof Marbåcka verkauft werden. Um die Geschichten und Sagen, die der Vater immer erzählt hatte vor der Vergessenheit zu bewahren, begann sie diese aufzuschreiben.

1890 nahm Selma Lagerlöf, durch ihre Schwester ermutigt, an einem von der Zeitschrift Idun ausgeschriebenen Erzählwettbewerb teil und erhielt den ersten Preis. Der Verlag bot ihr an, die Erzählungen zu veröffentlichen und die Geschichte des schwedischen Pfarrers "Gösta Berling" wurde ein großer Erfolg.

Als Selma Lagerlöf 1895 vom schwedischen König ein Reisestipendium nach Italien erhält, konnte sie ihren Lehrerinnenberuf aufgeben und sich von nun an ganz der Schriftstellerei widmen. 1897 zog Selma Lagerlöf mit ihrer Mutter nach Falun, wo ihre Schwester verheiratet war. 1899 unternimmt sie eine Reise nach Ägypten und Palästina. 1906 schrieb Selma Lagerlöf im Auftrag der schwedischen Schulbehörde "Die wunderbare Reise des kleine Nils Holgersson mit den Wildgänsen". Nachdem das Buch erschienen war, meldete sich ein Waisenjunge gleichen Namens bei der Schriftstellerin; Selma nahm ihn in ihr Haus auf. Hierin zeigt sich, das Selma Lagerlöf nicht nur in ihren Büchern immer wieder zur Nächstenliebe, Demut und Barmherzigkeit aufforderte, sondern auch selber versuchte, nach diesen christlichen Tugenden zu leben.

Durch die zahlreichen Bücher und Erzählungen die auf ihren Reisen und zu Hause in Schweden entstanden sind, war Selma Lagerlöf 1907 finanziell in der Lage, das Gut Marbåcka zurückzukaufen.

1909 wird Selma Lagerlöf der Nobelpreis für Literatur verliehen. Von dem Preisgeld kaufte sie den Landwirtschaftlichen Besitz des elterlichen Herrengutes zurück und renovierte das Gutshaus.

Selma Lagerlöf erhielt nun auch internationale Anerkennung und Auszeichnung, sie wurde als erste Frau in die Schwedische Akademie gewählt und erhielt die Ehrendoktorwürde mehrerer Universitäten. Man spricht von ihr als "ungekrönte Königin Schwedens". Selma Lagerlöf übernahm in dieser Zeit die Rolle einer öffentlichen moralischen Instanz ein und engagierte sich vehement für das Frauenstimmrecht.

Ab dem Ausbruch des 1. Weltkrieges setze sich Selma Lagerlöf immer wieder für den Frieden ein und wurde eine bekannte Kriegsgegnerin. Selma Lagerlöf schloß sich mit anderen Pazifistinnen zusammen, unter anderem mit der bekannten Pädagogin Ellen Key. Frühzeitig lehnte Selma Lagerlöf den Nationalsozialismus ab und unterstützte zahlreiche jüdische und andere Verfolgte aus Mitteleuropa bei der Flucht. Der Ausbruch des 2. Weltkrieges traf sie daher sehr schwer: Aller Einsatz für den Frieden war vergeblich gewesen. Am 16. März 1940 starb Selma Lagerlöf auf ihrem geliebten Gut Marbåcka.

Über ihre Bücher und Erzählungen
Die Werke der Schriftstellerin Selma Lagerlöf wurden in über 40 Sprachen übersetzt und erscheinen in immer neuen Auflagen. Delblanc begründet ihren einzigartigen Rang in der schwedischen Literatur mit ihrer Mischung aus Einfachheit und Subtilität, in ihrer magischen Kraft neue Leser zu fesseln.

Selma Lagerlöfs Schriftstellerei steht ganz in eine epische Tradition, die ihren Ausgangspunkt in der isländischen Saga hat. Die mündliche Erzählkunst wurde in Värmland von den Frauen weitergeführt, auch auf dem elterlichen Gutshof Marbåcka. Spuren dieser mündlichen Erzähltechnik lassen sich bei Selma Lagerlöf wieder finden: Eingangsformen, die die Aufmerksamkeit wecken, Brüche in der Fiktion, die an die eigene Erfahrung der Zuhörer appellieren, eine Klimax im emotionalen Gehalt gegen Ende einer Erzählung. Die Episoden in den Werken Selma Lagerlöfs sind oft auf die Länge eines Abends zugeschnitten und bilden kürzere Erzähleinheiten, dadurch erhalten ihre Romane eine strukturelle Eigenheit. Obwohl Selma Lagerlöf sehr rational und modern in ihren Auffassungen war, stand sie doch einer uralten mythischen Kultur nahe und war außerdem von einem tiefen christlichen Glauben geprägt. Das Übernatürliche und Mythische spielt denn auch in ihren Erzählungen und Romanen immer wieder eine Rolle.
Zeittafel
1858 Selma Ottilia Lovisa Lagerlöf wird am 20. November auf dem Gut Marbåcka in Schweden geboren.
1882 - 1885 Ausbildung am Lehrerinnenseminar in Stockholm
1887 Verkauf des elterlichen Gutshofes Marbåcka
1890 Selma Lagerlöf erhält für "Gösta Berlings Saga" den ersten Preis im Erzählwettbewerb der Zeitschrift Idun.
1891 Der erste Roman "Gösta Berlings Saga" wird veröffentlicht
1895 - 1896 Reise nach Italien
1897 Übersiedlung mit der Mutter nach Falun
1899 - 1900 Reise nach Ägypten und Palästina
1901 - 1902 Roman "Jerusalem"
1906 Die wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen
1907 Ehrendoktorwürde der Universität Uppsala
Selma Lagerlöf kauft Marbåcka zurück.
1909 Nobelpreis für Literatur
1912 Reise nach Finnland und Russland
1919 Selma Lagerlöf zieht ganz nach Marbåcka.
1940 Selma Lagerlöf stirbt am 16. März auf ihrem Gutshof Marbåcka.

Literaturangaben:
Elisabeth Stiefel: Selma Lagerlöf (1858 - 1940). Gespannt was Gott im Leben vorhat. In: Ders.: Kleine Chronik großer Frauen. Aus dem Leben von Anna Magdalena Bach, Margarete Steif, Selma Lagerlöf und anderen. Marburg an der Lahn, 2005. S. 59ff.

Sven Delblanc: Selma Lagerlöf. Übersetzt von Klaus-Jürgen Liedtke. Uppsala 1986.

Joseph A. Kruse; Heidemarie Vahl (Hrsg.): Selma Lagerlöf 1858 - 1940. Düsseldorf 1987.